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Montag, 21. Mai 2018

Wurmkasten und Aquarium

(uz) Die Bad Zurzacher Fünftklässlern behandeln das Thema Amphibien. Lehrer Daniel Berz arbeitet neu nach den Vorgaben von «Umweltbildung plus». Ein Besuch im Unterricht:

«Haben Sie gewusst, dass es in einem Kilo Walderde mehr Lebewesen gibt, als Menschen auf der Erde?», fragt Emanuel und setzt dabei einige Regenwürmer in den Regenwurmkasten. Nach den Würmern hat er im Garten gegraben. Durch das Glasfenster des Wurmkastens kann er ihr unterirdisches Leben beobachten. Der Kasten steht im Klassenzimmer von Daniel Berz und gleicht einem mit Erd- und Sandschichten aufgefüllten Aquarium.

Kaulquappen

Das echtes Aquarium gibt es auch. Es steht ganz hinten im Zimmer. Im Moment kann man da Kaulquappen sehen. Vor wenigen Tagen sind sie dem Laich einer Erdkröte entschlüpft. Goncalo steht vor dem Aquarium und erzählt von Rettungsaktionen für Frösche, Kröten und Mölche. Lehrer Daniel Berz hat sie angeleitet. Es galt, die Amphibien einem Froschzaun entlang einzusammeln und in Sicherheit zu tragen. Goncalo, Emanuel und alle anderen aus der Klasse durften mithelfen.

Der Lehrer liebt dieses Fach

Der Stundenplan von Goncalo und Emanuel sieht für den Dienstagnachmittag das Fach «Realien» vor. In «Realien» werden Themen aus Geschichte, Geographie, Astronomie und Biologie behandelt. Im Moment geht es um Amphibien, und die Kaulquappen hinten im Aquarium spielen eine wichtige Rolle. Lehrer Daniel Berz liebt dieses Schulfach. Immer schon, eigentlich, aber seit vergangenen Sommer noch etwas mehr.

Sachthemen und Haltungen

Damals meldete er sich für die Teilnahme an einem Forschungsprojekt der Pädagogischen Hochschulen von Zürich und St. Gallen an. «Umweltbildung plus» nennt es sich. Das Projekt setzt beim Fach Realien an und legt den Fokus aber nicht nur auf die jeweiligen Sachthemen. Über die Realienkunde soll auch auf innere Haltungen hingearbeitet werden. Achtsamkeit, bewusst wahrnehmen, staunen, Sorgfalt, geniessen können und sich Mut machen sind erklärte Lehrziele. Daniel Berz sagt: «Es geht nicht nur darum, die Gattung Amphibien kennen zu lernen, sondern auch um einen wachen Sinn für das Geheimnis des Lebens, für seine Schönheit und um Aufmerksamkeit und Sorgfalt diesem gegenüber.»

Umweltbildung plus

Berz gestaltet Realienkunde dieses Schuljahres nach den Vorgaben von «Umwelbildung plus». Die Projektteilnehmenden tauschen ihre Erfahrungen regelmässig aus und stehen mit der Projektleitung in Kontakt. Ende Schuljahr wird dann ausgewertet, verbessert und wohlmöglich veröffentlicht. «Mir ist neu bewusst geworden, wie wichtig der Bezug zum konkreten Lebens der Kinder ist», sagt Daniel Berz. «Stoffvermittlung alleine ist zu wenig, auch die menschliche Entwicklung der Schülerinnen und Schüler ist zu fördern.»   

Noch 30 Minuten bis zum Ende der Lektion. Die Fünftklässler arbeiten selbstständig und befassen sich mit den verschiedenen Aspekten ihres Themas. An der Wand mit den vielen Briefumschlägen besorgen sie sich stets neue Aufträge. Sie schlagen nach, lesen, lösen Denkaufgaben, schreiben, oder setzen einen Auftrag künstlerisch um.  Daniel Berz unterstützt und lässt sich selbst verfasste Text vorlesen. Er kontrolliert, ob das, was nachgeschlagen wurde, auch verstanden worden ist und beglaubigt korrekt gelöste Aufgaben mit einem Stempel ins Entdeckerheft.

Vorsicht bei Feuersalamandern

Um 15.05 läutet die Pausenglocke. Die Schule ist für heute aus, aber niemand hat es eilig das Klassenzimmer zu verlassen. Daniel Berz muss anmahnen, Schluss zu machen.

Die Kinder verabschieden sich mit Handschlag. «Und übrigens», sagt Emanuel, «bei einer Rettungsaktion für Amphibien sollte man einen Feuersalamander nicht mit der blossen Hand anfassen. Seine Haut enthält ein schwaches Gift. Ähnlich wie die Brennessel. Haben Sie das gewusst?»